Der Kauf eines Gebrauchtwagens: Worauf soll man achten?

Der Kauf eines Gebrauchtwagens ist für viele ein wichtiger Schritt — aber auch eine Herausforderung. Ein Auto aus zweiter Hand kann ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten, zugleich besteht jedoch das Risiko, versteckte Mängel zu übernehmen. Eine sorgfältige Kontrolle von Verbrauchs- und Verschleißteilen wie Motoröl, Flüssigkeiten und Filtern liefert oft aussagekräftige Hinweise zum tatsächlichen technischen Zustand. Wenn du bereits bei der Besichtigung auf diese Details achtest, senkst du das Risiko unerwarteter Kosten und erhöhst die Chance auf eine langfristig zufriedenstellende Fahrt.

Es gibt einige einfache und effiziente Schritte, mit denen du diese Dinge schnell prüfen kannst — auch ohne große Erfahrung in der Mechanik. Das solltest du wissen:

1. Motorölstand und -zustand prüfen

  • Motorhaube öffnen und die Ölmessstab-Position lokalisieren.
  • Messstab herausziehen, mit einem sauberen Tuch abwischen, wieder einführen und erneut herausziehen.
  • Den Ölstand ablesen: Er sollte sich zwischen den Markierungen MIN und MAX befinden.
  • Farbe und Konsistenz prüfen: Ist das Motoröl sehr dunkel, enthält es viele Partikel oder riecht verbrannt, sprich den Verkäufer darauf an und frage nach dem Service-/Ölwechsel-Verlauf.

Achte auf mögliche Tricks wie einen frisch durchgeführten Ölwechsel nur zur Verkaufsbesichtigung — frag gezielt nach dem letzten Wechseldatum und der verwendeten Ölqualität.

2. Kühlmittel prüfen

  • Ausgleichsbehälter lokalisieren: Meist handelt es sich um einen transparenten Behälter seitlich am Motor.
  • Füllstand kontrollieren: Er sollte sich stets zwischen MIN- und MAX-Markierung befinden.
  • Farbe und Zustand prüfen: Kühlmittel sollte klar sein, keine Schaum- oder Ölspuren aufweisen und eine deutliche Farbe haben (grün, blau, rosa – je nach Herstellerformel).
  • Auf Anzeichen von Lecks achten: Braune oder rötliche Ablagerungen und beschädigte Dichtungen können auf Probleme im Kühlsystem oder an der Zylinderkopfdichtung hinweisen.
  • Wasser nur sparsam verwenden: Leitungswasser begünstigt Kalk- und Rostbildung. Besser destilliertes Wasser zum Nachfüllen oder Verdünnen verwenden.

3. Brems- und Getriebeöl prüfen

  • Bremsflüssigkeit: Füllstand und Zustand im Behälter unter der Motorhaube kontrollieren. Die Flüssigkeit sollte klar sein und keine Metallpartikel oder Ablagerungen enthalten.
  • Hinweise auf Probleme: Niedriger Füllstand oder Rostspuren deuten auf Lecks, verschlissene Bauteile oder unzureichende Wartung hin.
  • Automatikgetriebe: Spezielle Messstabkontrolle verwenden. Flüssigkeit muss klar bleiben; dunkle Farbe oder verbrannter Geruch weist auf mögliche Getriebeprobleme hin.

4. Filter prüfen

  • Ölfilter: Prüfe, wann der letzte Wechsel stattfand und welchen Typ der Vorbesitzer verwendet hat. Originalfilter gewährleisten effiziente Wartung und senken langfristige Reparaturkosten.
  • Luftfilter: Filtergehäuse öffnen und Filter begutachten. Grauer Filter mit Staub oder Laub deutet auf fehlende Wartung hin.
  • Kraftstofffilter: Ohne Werkstatt schwer sichtbar; nach Rechnungen oder Wartungsnachweisen fragen.

Probleme erkennen und interpretieren

  • Öl: Zähflüssiges Öl mit Ablagerungen weist auf einen stark beanspruchten oder schlecht gewarteten Motor hin.
  • Kühlmittel: Fehlender Füllstand, Schaum, Rost oder Ölspuren können Lecks, Risse oder defekte Dichtungen anzeigen.
  • Bremsflüssigkeit: Schmutzige Flüssigkeit signalisiert mögliche Probleme im Bremssystem – ein Sicherheitsrisiko.
  • Filter: Verstopfte Filter reduzieren Motorleistung, können Startprobleme verursachen oder sogar den Motorstillstand auslösen.

Was tun, wenn Mängel auffallen?

  • Preisverhandlung: Mängel als Argument für einen niedrigeren Kaufpreis nutzen.
  • Technische Inspektion: Vor Vertragsunterzeichnung eine gründliche Überprüfung in einer autorisierten Werkstatt verlangen.
  • Alternativen prüfen: Bei schwerwiegender Vernachlässigung andere Fahrzeuge in Betracht ziehen.

Weitere empfohlene Checks vor dem Kauf

  • Karosserie und Innenraum:
    Untersuche alle Karosserieteile auf Rost, Dellen oder Spuren von Nachlackierungen. Vergleiche das Erscheinungsbild der Türen mit dem Rest der Karosserie und prüfe, ob die Spaltmaße zwischen den Elementen gleichmäßig sind.

  • Batterie und Elektrik:
    Achte auf Korrosion an den Polen, beschädigte Kabel oder improvisierte Reparaturen. Starte den Motor und überprüfe, ob alle Verbraucher einwandfrei funktionieren (Scheinwerfer, Blinker, Scheibenwischer).

  • Fahrzeugdokumente:
    Prüfe sorgfältig alle Unterlagen; die Fahrgestellnummer sollte am Fahrzeug und in den Papieren übereinstimmen. Fordere den Serviceverlauf an und achte auf kürzlich durchgeführte Arbeiten.

  • Elektronische Tests:
    Bei modernen Autos lohnt es sich, ein OBD-Diagnosegerät anzuschließen, um versteckte Fehler auszulesen.

Diese Kontrollen helfen, komplexe Probleme frühzeitig zu erkennen und beeinflussen maßgeblich die Kaufentscheidung.

Häufige Fehler bei der Kontrolle von Verbrauchsmaterialien und wie du sie vermeidest

  • Nur einzelne Behälter prüfen: Viele Käufer achten nur auf Motoröl und übersehen Kühl- oder Bremsflüssigkeit. Prüfe alle relevanten Flüssigkeiten.
  • Keine Nachweise verlangen: Rechnungen, Bons oder Einträge im Serviceheft zeigen, dass der Vorbesitzer Wartungen ernst genommen hat.
  • Blind auf den Verkäufer vertrauen: Prüfe alles selbst; bei Unsicherheit einen vertrauenswürdigen Mechaniker zur Begutachtung hinzuziehen.
  • Ungewöhnliche Gerüche ignorieren: Öl, das verbrannt riecht, oder übel riechende Getriebeflüssigkeit deuten auf ernsthafte Probleme hin.

Praktische Tipps für den Kaufprozess

Untersuche jeden technischen Aspekt sorgfältig, ohne dich zu beeilen oder vom Verkäufer beeinflussen zu lassen. Prüfe jeden Flüssigkeitsbehälter, fordere Proben an und notiere ungewöhnliche Details für das spätere Gespräch. Frage nach der Service-Historie und, wenn möglich, lass dir die Rechnungen zeigen. Wenn du dir unsicher bist, ob du alle Hinweise korrekt erkennst, ziehe einen unabhängigen Mechaniker oder eine Fachwerkstatt zur Überprüfung hinzu.

Sei offen und kommunikativ mit dem Verkäufer, behalte jedoch eine objektive Haltung. Notiere alle Beobachtungen, fotografiere die überprüften Behälter und lass dich nicht unter Druck setzen, sofort eine Entscheidung zu treffen.

Eine sorgfältige Kontrolle von Öl, Flüssigkeiten und Filtern ist für jeden Käufer, der auf Budget und Sicherheit achtet, unerlässlich. Ohne gründliche Inspektion riskierst du, kurz nach dem Kauf hohe Reparaturkosten tragen zu müssen. Beachte diese Tipps und triff eine fundierte, kluge Entscheidung!

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Welche Anzeichen zeigen, dass ein Gebrauchtwagen schlecht gewartet wurde?

  • Niedriger Öl- oder Flüssigkeitsstand, stark verschmutzte Filter oder nicht gemäß Serviceintervall gewechselte Verbrauchsmaterialien.

2. Sollte ich das Öl sofort nach dem Kauf wechseln?

  • Ja. Selbst wenn der Verkäufer angibt, kürzlich eine Wartung durchgeführt zu haben, verschafft ein sofortiger Wechsel von Öl und Filtern Sicherheit und Klarheit über die Qualität der verwendeten Produkte.

3. Kann ich Filter zu Hause überprüfen?

  • Luftfilter und teilweise Innenraumfilter lassen sich schnell selbst kontrollieren. Öl- und Kraftstofffilter sollten in einer gut ausgestatteten Werkstatt geprüft werden.

4. Warum ist die Kontrolle der Bremsflüssigkeit wichtig?

  • Alte Bremsflüssigkeit nimmt Feuchtigkeit auf, was die Bremswirkung reduziert. Eine Prüfung kann Unfälle und teure Reparaturen verhindern.

5. Welche Details lassen sich bei Problemen mit Verbrauchsmaterialien verhandeln?

  • Zeige die Kosten für Ersatz auf, erläutere die technischen Risiken und schlage einen fairen Preis vor. Zum Beispiel kann der Austausch aller Filter und Flüssigkeiten 500–800 € kosten, abhängig vom Modell.

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